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Chanson
So traurig und so schön

 

Eine Reise durch die Welt des französischen Chansons

Spätestens seit dem Film "On connait la chanson" ist es wieder in aller Nostalgiker Ohren: das Chanson. Der Regisseur Alain Resnais präsentierte die breite Palette von Klassikern wie Edith Piaf und Maurice Chevalier über die Popstars der 60er Serge Gainsbourg und France Gall bis hin zu den Rockidolen Johnny Hallyday und Eddy Mitchell. Eine breite Basis, auf der die feminine Stargarde des French Pop wie Patricia Kaas oder Céline Dion ihren Ruhm begründet.

Erotik und Politik bestimmten das französische Chanson von Beginn bis Brigitte Bardot. Sein breites stilistisches Spektrum deutet auf eine bewegte Geschichte, die bis zu mittelalterlichen Troubadours und ihren "Chanson de geste“ zurückgeht. Im 15. bis 17. Jahrhundert waren Liebes- und Trinklieder populär, bevor das Lied als Kampfmittel und Hymne in der Französischen Revolution eine politisch-satirische Färbung erhielt. Im Milieu der Pariser "Café Concerts“ (Wirtshaustheater) und Cabarets wurde dann Mitte des 19. Jahrhunderts der moderne Chansonstil geboren.

Es war die Zeit der frech-frivolen Diseusen, Chansonniers und Chansonetten, wobei man die von der Zensur verbotenen Zeilen durch ein Hüsteln andeutete. Im Vorkriegsfrankreich, Ende der Dreißiger Jahre, feierten Charles Trenet und Edith Piaf im Pariser "Théâtre de l'ABC“ ihre großen Erfolge. Der expressive Gesangsstil voll Munterkeit ("Y'a D'la joie" von Trenet) oder Melodramatik ("Je ne regrette rien" von Piaf) ist ganz auf die persönliche Ausstrahlungskraft der Interpreten zugeschnitten.

Das engagierte Chanson

Als sich die existentialistische Philosophie nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Pariser Bohémien zur Modeerscheinung und Jugendbewegung entwickelte, stand die Verbreitung der Botschaft deutlich im Vordergrund des Chansons. Eine Stimme zu besitzen, galt schon bald als sekundär. Mit Liedpoeten wie Léo Ferré oder Georges Brassens wurde die Musik zum Beiwerk der gesellschaftlichen Aussage. Interpreten wie Juliette Gréco oder Boris Vian, der sich mit "Le Deserteur" gegen den Indochinakrieg wandte, schufen das Chanson "à texte“, das engagierte politische Chanson. Jacques Brel avancierte wegen seiner Spitzen auf die Gesellschaft in den Nachkriegsjahren gar zum Nationalhelden.

Zu den sanften "chanteurs de charme“ wie Yves Duteil oder Patrick Bruel der französischen Tradition gesellen sich mittlerweile internationale Stars wie Céline Dion oder Patricia Kaas, deren Erfolgsrezept eine Mischform aus traditionellem Chanson, Pop und Jazz ist.

Wie das Leben so singt

Die Sängerin Patricia Kaas aus Forbach begann ihre Weltkarriere im Saarbrücker Tanzlokal „Rumpelkammer“. Schon ihre Debüt-LP "Mademoiselle chante“ von 1988 sorgte für Furore und Platin. Heute bezaubert sie ihre Fangemeinde mit einem rauen und reifen Timbre à la Piaf und einer an Madonna erinnernden Wandlungsfähigkeit. Céline Dion aus Québec, die auf Französisch und Englisch singt, begründet ihren Status als Superstar hingegen vor allem auf englische Texte wie den Titanic-Titelsong "My Heart Will Go On" und scheint sich von ihren musikalischen Wurzeln entfernt zu haben. Ein wichtiger Schritt auf ihrer Karriereleiter war allerdings ihr Sieg beim "Ne partez ma sans moi", mit dem sie für die Schweiz antrat!

Ohne die reiche Tradition des Chanson wäre nicht nur ihre Biographie anders verlaufen. Viele Frankophile werden sich dem deutschen Filmtitel der Hommage an diese Liedgattung von Alain Resnais anschließen: Das Leben ist ein Chanson!

Weitere Meister des Genres sind:

Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Julien Clerc, Jean Ferrat, Enzo Enzo, France Gall, Serge Gainsbourg.

Alben mit Schlüsselqualitäten:

Georges Brassens: La Mauvaise Reputation [1996]
Patricia Kaas: Je Te Dis Vous [1993]
Céline Dion: S'il Suffisait D'aimer [1998]
Georges Moustaki: Le Meteque [1998]
Boris Vian: Le Deserteur [1998]
Johnny Hallyday: 100% Johnny Live à la Tour Eiffel [2000]
Juliette Greco: Deshabillez-moi [2001]
Edith Piaf: Milord [2002]

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